RAUS DAMIT, wir begreifen das alles auch ganz anders sein könnte.

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Samstag, 27. März 2010

Ein Interview das begeistert!

Appel hatte durchaus recht, als er sagte, ich seie völlig fix & fertig und absolut aufgeregt vom Interview mit Katha und Maik wiedergekommen. Ich war auf 180 und das aus guten Gründen. Selbst jetzt, wenn ich über das Interview erst ein paar Tage später als abgemacht schreibe, ist bei mir alles noch sehr präsent und ich könnte wie am Mittwoch anfangen über die interessanten Leute und deren tiefgründige Antworten zu schwärmen, die wir bekamen, als wir nach der Freiheit fragten.
Wir drei gingen voller Vorfreude los, ohne uns einen genauen Plan über die Fragen zu machen, die wir stellen wollten. Drei der Fragen kamen uns erst kurz bevor wir die ersten beiden Frauen ansprachen in den Sinn:

1. Was ist für dich Freiheit?
2. Als du in unserem Alter warst, hast du dir da Freiheitsgedanken gemacht? Und haben diese sich seitdem verändert?
3. In welchen Situationen verspürst du Tatendrang?

Unsere ersten Opfer waren die oben genannten Frauen, mit einem Kinderwagen.
Sie waren offen für uns und antworteten bereitwillig. Freiheit sei für sie das Gefühl Raum zu haben für die Dinge die sie tun wollen. Verändert hat sich ihre Vorstellung der Freiheit auf alle Fälle. Jetzt als Erwachsene, als Eltern, haben sie die Möglichkeit fast alles zu tun, was sie als Kinder wollten, doch vieles tun sie nicht. Mit ihnen ist ihr Verantwortungsgefühl gewachsen. Und Tatendrang verspüren sie dann, wenn jemand Hilfe braucht und es in ihrer Macht liegt, demjenigen zu helfen.
Katharina hielt diese Antworten begeistert fest.
Wir bedankten uns uns suchten nach einem neuen potenziellen Opfer.

Da fiel Maik ein älterer Mann auf, der vor der Suppenbar draußen an einem Tisch saß, bei Kaffe und Kuchen. Er schien sehr sympathisch. Dieser erste Eindruck festigte sich zunehmend als wir mit ihm über die Freiheit redeten.
Auf die Frage, was Freiheit für ihn sei, meinte er nach einer Weile, dass man über dieses Thema, Freiheit, Bücher schreiben könne. Es war sichtlich schwierig für ihn dass auf einen Punkt zu bringen. Wir redeten sehr lange mit diesem Mann und ich war begeistert von seinem Wissen, seinen Erfahrungen, seiner Einstellung und vor allem seiner ruhigen, sachlichen Art das alles rüberzubringen. Er erzählte uns er sei 1950 geboren und in der Nachkriegszeit aufgewachsen. Er habe den Nationalsozialismus noch gespürt doch über seine Vorhandenheit durfte man nicht mehr sprechen. Er redete über die Zwänge, die es damals zu Hauf gab, sogar in der Familie. Und er wisse nicht ob man überhaupt noch frei sein kann, wenn man inmitten des Wirtschaftswachstums lebt, welcher ein einziger Zwange ist. Auf die Frage hin, was Freiheit früher für ihn war, antwortete er, dass er den Dingen immer sehr kritisch gegenüber stand und sich rebellisch gegen viele Dinge gestellt hat. Seine Rebellion sei jetzt einer großen Tolleranz gewichen und obwohl er immer noch klar Stellung zu Dingen bezieht, versucht er die Denkweise der Leute zu verstehen, selbst wenn er sie nicht teilt.
Dieser Mann faszinierte uns drei zunehmend. Als wir uns schließlich von ihm verabschiedeten, waren wir zur Hochform aufgelaufen und fantastisch gelaunt. Wir redeten über unsere Eindrücke und waren alle gleichsam begeistert.

Auf der Suche nach einem neuen Gesprächspartner viel uns eine weitere Frage ein, die wir stellen könnten. Wir wollten wissen, was die Menschen für Bilder im Kopf hatte, wenn sie an Freiheit dachten. Wir begaben uns auf den Spielplatz am Theaterplatz und sahen eine Frau, die weit hinten, relativ unscheinbar alleine auf einer Bank saß und den Kindern lächelnd beim Spielen zuschaute. Sie sah so aus, als hätte sie durchaus genug Zeit und Geduld um sich unserer Befragung zu unterziehen. Es war eine junge Ausländerin die noch nicht sehr gut deutsch sprach und Zweifel hegte ob sie unserer Befragung durch das Sprachproblem gerecht werden könne. Doch wir sagten, dass das auf keinen Fall ein Problem sei und das war es tatsächlich nicht. Sie gab sehr interessante und schöne Antworten. Z.B sagte sie, Freiheit sei "Reden ohne Denken - ohne Konsequenzen." Sie wolle sich nicht immer Gedanken darüber machen, ob das, was sie sagte ihren Gegenüber vielleicht verletzen könne. Dann gab sie zu, sie habe sich als 15-jährige kaum Gedanken über so etwas wie Freiheit gemacht, dieser Gedanke sei erst jetzt in ihr aufgestiegen und habe sie beschäftigt. Wenn sie an Freiheit denkt, denkt sie an einen fliegenden Vogel. Wir mochten diese Frau auf Anhieb und waren froh über ihre offenen & ehrlichen Antworten.

Der letzte den wir fragten, war womöglich der spannendste. Wir gingen auf den Theaterplatz und sahen uns nach jemand geeignetem um. Denjenigen den wir sahen war der allgemein bekannte, große Mann, welcher meistens auf dem Theaterplatz sitzt, mit Bier, Zigarette, langen schwarzen Haare, oft auch einem langen schwarzen Mantel und Sonnenbrille. Ich hegte die Hoffnung, dass ein Gespräch mit ihm äußerst interessant und aufschlussreich sein könnte. Also überredete ich Katha & Maik zu ihm zu gehen und unser Glück zu versuchen. Es hat sich gelohnt!
Als wir ihn nach einem Interview fragten, wurden wir von einer tiefen, beruhigenden und unglaublich sympathischen Stimme überrascht, die uns sagte, wir sollten uns erst einmal setzen, damit das Ganze nicht so förmlich sei. Als wir alle vier bequem auf der Bank saßen, begann die großartige Unterhaltung. Die Frage, was Freiheit für ihn sei, beantwortete er mit einem schlichten Satz, den ich auf diese Frage niemals vermutet hätte:
"Ganz einfach, mit richtiger Freiheit können nur der Adel und die Philosophen umgehen."
Näher erklärte er dies nicht, und Katha hatte im Nachhinein die Idee, dass er damit vielleicht meinte, der reiche Adel hätte die materielle Freiheit zur Verfügung und die Philosophen wären die einzigen, die keine Mauern mehr in ihrem Kopf haben und so die gedankliche Freiheit erreichen können. Ich denke, das ist es wert, darüber nachzudenken.
Auf die Frage, was er für ein Bild im Kopf habe, wenn er an Freiheit denkt, zitierte er Westernhagen aus seinem Lied Illusion:
"Die Freiheit lässt uns im Grabe umdrehen."
Auch darauf ging er nicht näher ein.
Und als wir nach der Veränderung seiner Freiheitsvorstellung fragten, erzählte er uns, er sei in der Deutschen Demokratischen Republik aufgewachsen und ihm sei das Feindbild eingetrichtert worden. Es habe sich vieles verändert, für ihn. Doch eins sei gleich geblieben. Freiheit war für ihn seit jeher, und ist es immer noch, Sex. Bei diesem Standpunkt endete unser Interview dann.

Vielleicht versteht ihr jetzt, warum ich so völlig aufgeregt davon wiederkam (mal ganz abgesehen davon, dass ich ständig emotional überreagiere...). Denn Katharina, Maik und ich wir sind uns völlig einer Meinung. Wir hatten riesiges Glück, auf so viele interessante Leute zu stoßen, die sich uns so bedingungslos geöffnet haben. Dieses Interview war sehr aufschlussreich, hat zum Nachdenken angeregt und enthält sicherlich viel Stoff für eine mögliche Handlung.

1 Kommentar:

  1. bitte verzeiht meine rechtschreibfehler. ich hab ziemlich hastig geschrieben und den text dann dummerweise auch nicht groß korrigiert.

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