Sehr geehrter Herr Appelfeller,
meine Name ist Petra und ich bin dabei einen Vorartikel für die Zeitungsgruppe des Treffs "Junges Theater in Thüringen" über Ihr Stück "Raus Damit" zuschreiben. Da ich nicht nur einen lahmen Standartartikel schreiben möchte, hätte ich ein paar Fragen, die Sie mir hoffentlich beantworten könnten.
1.) Wie lange dauerte es von der Idee bis zum fertigen Stück?
2.) Da es ein selbst entwickeltes Stück ist: Wie kam es zu der Idee?
3.) Wieviel Mispracherecht hatten die Schauspieler bei der Umsetzung?
4.) Geht es im Stück um die rein biologischen Auswirkungen der Pubertät oder auch um eine innere, moralische Wandlung?
Dies wären vorest meine Fragen. Vielen Dank für die Beantwortung. Sollten noch Fragen offen bleiben, würde ich mich wieder an Sie wenden.
Mit freundlichen Grüßen
Petra
Antwort:
Hallo petra,
Danke für das interesse. Find ich toll, dass du das so ernst nimmst. Das lässt ja ein tolles festival erahnen.
Zu 1.
Anfang Januar bis Mitte Juli. Wir haben begonnen mit einem Probenwochenende und dann immer 3h die woche. Außerplanmäßig gab es da noch ein konzeptionswochenende und eine intensivprobenphase am ende.
Zu 2.
Das stellwerk hat sich genau diesen slogan als spielzeitmotto gegeben um allen stattfindenden aktionen und projekten eine grobe richtung zu geben und inhalte zu bündeln. Für die stellwerkmacherInnen war dieser sehr oft benutze spruch methapher für einen spritzigen, unverkrampften entwicklungsprozess in dieser schnelllebigen zeit ohne seine wurzeln zu verliehren.
Genau dieser spruch war also anhalt- und ausgangspunkt für die gruppe sich spontan zu fragen was diese worte mit einem selber anstellen, was sie auslösen oder wozu sie anregen. Ja und dann kam halt dieses stück heraus. Ganz nah an ihren momentanen inneren und äußeren gefühlsprozessen.
Auch gab es irgendwann die absprache darüber, dass wir mal neue theatrale und präsentative wege gehen wollten. Ganz passend zum thema.
Zu 3.
Im groben natürlich 100% iges mitspracherecht. Im feinen wurden für bestimmte konzeptionelle phasen verantwortliche gewählt oder beauftragt mit dem vertrauen der gruppe bestimmte entscheidungen zu treffen.
In der endphase wurden dann auch vereinzelt entscheidungen von mir getroffen um einfach zeit zu sparen und sich nicht zu verzetteln.
Zu 4.
Also dieses wort pubertät ist von uns nicht einmal benutzt worden und eigentlich ging es uns nur um ein gefühl, welches bei allen in unterschiedlichster weise durch diese worte ausgelöst wurde. Wir haben es das gefühl “drang nach veränderung” genannt. Ja und das war dann auch unser roter faden, der sich komplett durch die gesamte performance ziehen sollte. Unser ziel war es dieses gefühl irgendwie erlebbar zu machen, weil man es einfach nicht wirklich beschreiben kann und immer anders ist. So ähnlich wie bei der liebe, was ja auch erst einmal ein wort ist. Rein bildlich wurde von uns ein entwicklungsprozess gezeichnet. Vom abschied der kindheit über die prinzipienentwicklung und positionierung bis zum streben nach freiheit.
Das sollte dann reichen für dich.
Momentan haben wir sorgen zwei spielerinnen zu ersetzen, die für ein halbes jahr zum schülerInnenaustausch nach frankreich abgedüst sind. Na mal sehen was wird.
Liebe grüße nach erfrurt und dein restliches team.
Wir sehen uns. Wenn du noch fragen hast melde dich ruhig.
Ach ja, ich werde dich mal in unseren “raus damit blog” einladen, da bekommst du alle infos die du benötigst. Sei nicht geschockt über die menge der infos. Ist halt ein umfangreiches projekt. Bitte gehe behutsam mit den infos um und bedenke, dass es ein geschützter blog ist.
Liebe grüße der appel!
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